Welche Versicherung braucht man?

Welche Versicherung braucht man?

Ob Scheidung, steigende Benzinpreise oder Abstieg des Lieblingsfußballvereins - die Versicherungsbranche hat für fast jedes denkbare Risiko eine passende Police zu bieten. Aber nicht alle Versicherungen sind notwendig und sinnvoll. Unsere Infografik klärt über die Unterschiede auf.

Alter und Beruf entscheidend bei Versicherungswahl

Welche Versicherung man wirklich braucht, hängt vor allem vom Alter und dem ausgeübten Beruf des Versicherungsnehmers ab. Ein Student hat einen anderen Versicherungsbedarf als ein Rentner, Selbständige bringen andere Voraussetzungen mit als Beamte. Unsere Infografik zeigt Ihnen anhand der Sternchenbewertung auf einen Blick, welche Versicherungen für Sie je nach Berufsstand notwendig (***), wichtig (**) oder wünschenswert, aber verzichtbar (*) sind. Und sie zeigt: Überversicherung und unnötige Kosten können vermieden werden.

Infografik: Welche Versicherung braucht man?

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Über drei wichtige Versicherungen sollte jeder Erwachsene – unabhängig vom Berufsstand – verfügen: Eine freiwillige, private Haftpflichtversicherung (PHV), die im Schadensfall vor Forderungen durch Geschädigte schützt, sowie eine Krankenversicherung und eine Pflegeversicherung. In Deutschland sind Arbeitnehmer bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze zur Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verpflichtet. Liegt ihr Einkommen darüber, können sie sich freiwillig privat versichern. Die Pflegeversicherung zählt ebenso zu den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtversicherungen. Sie übernimmt die Kosten, die bei Pflegebedürftigkeit anfallen. 

Grundsicherung
Junge Erwachsene, die sich noch in der Ausbildung befinden, sind in der Regel über ihre Eltern mitversichert. Verfügen die Eltern über eine Haftpflichtversicherung, so gilt deren Schutz auch für die Kinder – allerdings nur, solange diese ihre erste Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Ähnliches gilt für die Krankenversicherung der Eltern: bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres deckt die Familienversicherung die Kinder mit ab, danach ist eine eigene Versicherung vonnöten.

Empfehlenswerte Zusatzabsicherung
Darüber hinaus sind die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und die Unfallversicherung wichtige Versicherungen für Azubis und Studenten. Die BU ist für sie im Fall einer Erwerbsunfähigkeit die einzige Absicherung. Um staatliche Hilfen in Anspruch nehmen zu können, müssten sie mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, was bei jungen Erwachsenen eher die Ausnahme darstellt. Ein weiterer Vorteil der BU: je früher eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wird, desto günstiger fallen die Beiträge aus. Wem sie dennoch zu hoch sind, der sollte zumindest die meist günstigere Unfallversicherung als Basis in Betracht ziehen. Sie zahlt je nach Unfallart eine bestimmte Schadensersatzsumme aus und deckt so vorübergehende Engpässe, die durch Lohnausfälle entstehen können, ab.

Grundsicherung
Auch für Angestellte sind eine Privathaftpflicht, die Pflegeversicherung und die Gesetzliche Krankenversicherung obligatorisch. Dabei erfolgt die Begleichung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge automatisch über den Arbeitgeber. Jeder Arbeitnehmer zahlt 2,05 Prozent (Kinderlose 2,3 Propzent) seines Gehaltes in die Pflegeversicherung ein, wovon der Arbeitgeber wiederum die Hälfte übernimmt. Der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenkasse, den Arbeitnehmer zu begleichen haben, liegt derzeit einheitlich bei 15,5 Prozent.

Empfehlenswerte Zusatzabsicherung
Besonders wichtig für Angestellte ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, denn sie springt ein, wenn der Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann, beispielsweise nach einer schweren Krankheit oder in Folge eines Unfalls. Eine Hausratversicherung ist dann unabdingbar, wenn Sie wertvolle Gegenstände wie Schmuck, Elektronik oder Wertpapiere zu Hause aufbewahren. Diese sind im Fall eines Einbruchs versichert. Zudem sichert die Hausratversicherung alle beweglichen Gegenstände wie Möbel, Kleidung, Einrichtung, Vorräte gegen Feuer, Blitzschlag, Wasserschäden, Sturm und Hagel ab, und zwar zum Neuwert des jeweilsbeschädigten Objekts.

Grundsicherung
Beamte genießen bezüglich ihrer Krankenversicherung einen Sonderstatus, weil ihr Dienstherr einen Teil der Kosten, die im Krankheitsfall entstehen, übernimmt. Der Umfang dieser Beihilfe ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und liegt in den meisten Fällen bei 50 Prozent. Die andere Hälfte trägt die Private Krankenversicherung, der Beamte für gewöhnlich angehören. Bei der Privaten Haftpflichtversicherung ist für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst die sogenannte Amtshaftpflicht (oder auch: Diensthaftpflicht) von besonderer Relevanz. Verursacht ein Beamter innerhalb seines Dienstes Personen- oder Sachschäden, übernimmt die Amtshaftpflicht auch die Übernahme der Kosten, die seitens der Geschädigten gefordert werden. Beispiel: Verletzt ein Polizist im Einsatz grob fahrlässig eine unbeteiligte, dritte Person, so kommt die Amtshaftpflicht für die Krankenhaus- und Folgekosten auf.

Empfehlenswerte Zusatzabsicherung
Zur Altersvorsorge bietet sich die Riester-Rente an, die auch von Beamten in Abspruch genommen werden kann. Zudem benötigen Beamte eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Hier ist allerdings zu beachten, dass diese auch die sogenannte Dienstunfähigkeit mit berücksichtigt. Der Beurteilung, ob jemand nach einem Unfall oder einer Krankheit als berufsunfähig oder dienstunfähig eingestuft wird, liegen unterschiedliche Bewertungskriterien zugrunde. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Versicherungsnehmer, der als dienstunfähig klassifiziert wird, nicht gleichzeitig als berufsunfähig gilt. In diesem Moment würde eine Versicherung, die nur auf Berufsunfähigkeit ausgelegt ist, nicht greifen. 

Selbständig tätige Personen sind in der Pflicht, sowohl ihre privaten Belange als auch die ihrer Firma abzusichern.

Absicherung privater Belange
Im Bereich der Krankenversicherung haben Selbständige die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Versicherung. Hier gilt es allerdings zu beachten: wer sich einmal für die private Krankenversicherung entschieden hat, kann nicht mehr zur gesetzlichen zurückkehren. Zudem lohnt sich ein genauer Vergleich: Private Krankenversicherungen sind für Selbständige oft günstiger und bieten gleichzeitig ein größeres Leistungsspektrum. Selbständige können im Regelfall frei wählen, ob sie Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung werden oder sich privat versichern möchten. Indessen gibt es auch selbständige Tätigkeiten, die in die gesetzliche Versicherungspflicht fallen. Auf welche dies zutrifft, können Sie in einer Broschüre der deutschen Rentenversicherung nachlesen. Außerdem zu beachten: Selbständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder nicht dazu in der Lage sind, einen Nachweis über 60 lückenlose Beitragsmonate zu erbringen, haben im Fall einer Berufsunfähigkeit keinen Anspruch auf staatliche Ausgleichszahlungen. Deshalb sind die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und die Risikolebensversicherung (RILV) für sie und ihre Angehörigen unerlässliche Zusatzabsicherungen. Im Bereich der privaten Altersvorsorge ist für Selbständige vor allem die Basisrente von Interesse. Die Beitragszahlungen der sogenannten „Rürup-Rente“ sind - in bestimmten Grenzen - steuerfrei.

Absicherung beruflicher Belange
Selbständige sind in besonderem Maße auf eine umfassende Absicherung ihrer beruflichen Tätigkeit angewiesen. Ist die Existenzgründung mit eigenen Büroräumen verbunden, sollte der Abschluss einer Inhaltsversicherung in Betracht gezogen werden, denn private Hausratversicherung deckt maximal ein Arbeitszimmer ab, wobei weder Arbeitsgeräte noch noch Büroinventar inbegriffen sind. Dies übernimmt die Inhaltsversicherung.

Für beratend Tätige wie Steuerberater, Anwälte, Ärzte oder Architekten empfiehlt sich dringend eine Berufshaftpflicht beziehungsweise eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Sie kommt für Vermögensschäden, Personen- und Sachschäden auf, die im Rahmen der Berufsausübung entstanden sind. Ohne eine solche Versicherung haften Selbständige im Schadensfall mit ihrem Privatvermögen. Als Ergänzung dazu bietet sich eine Berufsrechtsschutzversicherung an.

Nach dem Eintritt in die Rente sollten alle vorhandenen Versicherungsverträge (zum Beispiel Privathaftpflicht, Unfallversicherung oder Hausrat) hinsichtlich ihrer Leistungen und Beiträge noch mal überprüft werden, denn einige Versicherungen bieten günstigere Seniorentarife an.

Grundsicherung
Rentner, die zuvor gesetzlich versichert waren, wechseln nach Renteneintritt automatisch in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR), die von der AOK, der BKK und den Ersatzkassen betrieben wird. Für Privatversicherte ändert sich nichts, da sich die Beitragshöhe am Eintrittsalter des Versicherten orientiert, nicht an der Phase des Berufslebens.

Empfehlenswerte Zusatzabsicherung
Die Unfallversicherung ist für Rentner eine sinnvolle Ergänzung zum bereits vorhandenen Versicherungsschutz, denn gerade im Alter häufen sich körperliche Gebrechen, die zu Unfällen führen können. Bei der Hausratversicherung sollten Rentner darauf achten, dass sie dem Versicherer einen etwaigen Umzug ins Pflegeheim mitteilen, denn nur dann ist das mitgenommene Hab und Gut auch dort im Fall von Einbruch-Diebstahl und Beschädigung durch Feuer oder Leitungswasser versichert.


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